Zwischen Tanz und Talent – der wD Saisonrückblick

Unsere wD ist Kreismeister! Ein Erfolg, der zu Beginn der Saison kaum zu erwarten war und der schon eine mittlere Überraschung ist. Ein Team, das als Team funktioniert, ohne Auswahlspielerinnen aber mit unbändigem Spielspaß! Eine kleine Chronologie einer Spielzeit mit Höhen und Tiefen.

Es ist der 4. Mai 2024. Die Vorbereitung ist gestartet, das Trainerteam hat einen ersten Eindruck vom neuen Team bekommen. Die gute Nachricht: es sind von Anfang genug Mädels. Das war nicht immer so… Es steht ein Testspiel auf dem Programm, Gegner ist der 1.FC Köln. Die Anwurfzeit rückt näher, die Teams stehen bereit, allein es fehlt noch der Schiri. Zehn Minuten Stau, kein Problem. Die FC Mädels gehen zurück auf’s Feld, spielen nochmal ihre diversen Spielzüge durch. Und unsere Mädels? Tanzen zu Cotton Eye Joe…

“Cotton Eye Joe”, noch nicht völlig synchron 🙂

Damit war der Kurs in die Saison gesetzt: Handball, gerne auch erfolgreich, aber übertreiben muss man es nicht, mit dem Ernst!

Die Zeit bis zu den Sommerferien vergeht wie im Flug. Fortschritte sind erkennbar, aber es geht langsam voran. Tempo ist nicht so unser Ding. “Wie bekommen wir mehr Bewegung in die Träge Masse auf dem Feld?” fragen wir uns auf der Bank. Erfolgreich spielen wir dennoch, die Deckung ist kaum zu überwinden: in Ollheim ist der FC zwar wieder nicht zu bezwingen, aber Platz 2 wird trotzdem bejubelt. In Geislar dann die Erkenntnis: wir können alle Mannschaften aus dem Kreis schlagen. Platz 1 nach 7m Werfen in einem spannenden Finale gegen Siebengebirge! Ganz hinten im Kopf nistet sich ein kleiner Gedanke ein: ist dieses Jahr vielleicht mehr drin, als der übliche Platz drei oder vier? Einmal Talentiade spielen, das wär’s doch! Die Analyse ist klar: wir haben die talentierteste PHV wD der letzten Jahre vor uns. Aber machen sie was draus?

Platz 1 bei der Sportwoche in Geislar

Wie jedes Jahr machen die Sommerferien gefühlt alle Bemühungen der Vorbereitung zu nichte. Nach sechs Wochen Pause fängt man wieder mit leichter Ballgewöhnung an. Zum Glück geht’s schnell ins Trainingslager und die verschütteten Erinnerungen tauchen wieder auf. Aber nicht nur sportlich gibt es einen Schub: in Wiehl bildet sich ein Team! Und es zeigt sich: die Mädels wollen! Es ist ein anstrengendes Wochenende, es wird konzentriert gearbeitet, die anderen Teams sind schon am Grill, da werden bei uns noch die letzten Kurzreferate zu verschiedenen Theorie Themen bearbeitet. Aber das große Problem ist noch nicht gelöst: kaum Bewegung, wenig Mut, keine Torgefahr…

Am Ende ist es dann Tine, die die zündende Idee hat: wenn sich schon von alleine niemand bewegt, dann halt mit Ansage! Eine einfache Auftakthandlung (ja, gut, verkauft haben wir’s als “Spielzug”) für den Außen, angesagt von der Rückraum Mitte, bringt die Mädels in Bewegung: “Blau” ist geboren, und wird das Angriffsspiel für den Rest der Saison in eine neue Dimension führen. Schon im Testspiel gegen CVJM Oberwiehl gelingt damit Tor um Tor.

Das Team nach dem Kantersieg gegen CVJM. Endlich läuft es auch im Angriff!

Die Saison beginnt spät und es ist noch Zeit für ein Turnier: in Langenfeld geht es im September gegen Opladen, Langenfeld und Krefeld-Oppum. Alles keine Leichtgewichte aus den umliegenden Kreisen. Wir sind am Ende selber überrascht, wie einfach der Turniersieg ist.

Lagebesprechung bei 30 Grad in Langenfeld

Schon vor dem letzten Spiel ist alles klar, es wird munter durchgewechselt und so kann ich meinen alten Opladenern auch noch einen Erfolg im letzten Spiel gönnen. Damit endet die Vorbereitung und der Optimismus und die Vorfreude auf die Saison sind riesig!

Los geht’s am 14. September bei unseren guten Freunden in Hennef. Das 16:2 ist keine handballerische Offenbarung und gibt den Spielverlauf nicht wirklich wieder. Die Chanceverwertung ist unterirdisch. Zum Glück ist der Spielplan wie für uns gemacht. Es folgen weitere deutliche Siege gegen Palmersheim und Hennef 2. Beim 31:1 gegen GTV 2 ist das Trainerteam zum ersten Mal zufrieden mit der Offensivleistung. Trotzdem, 12 Gegentore aus den ersten vier Spielen zeigen wo die größte Stärke des Teams liegt. Am Ende der Vorrunde werden es 72 sein und damit mit Abstand die wenigsten in der Liga. Sollte sich etwas die alte Football Weisheit “Offense wins Games, Defense wins Championships” auch im Handball bewahrheiten?

Ernsthafte Gegner kommen erst im Advent: GTV 1 und die HSG Siebengebirge werden zwar knapp aber verdient geschlagen. Wie gut, dass wir vorher ein denkwürdiges Testspiel gegen den TV Birkesdorf im Programm hatten. Der Tabellenfüher des Kreis Aachen/Düren hatte in aller Deutlichkeit unsere Schwächen offengelegt. Die Dynamik und Schnelligkeit, nicht nur in den Beinen, sondern auch im Kopf, war beeindruckend. Mehr als eine große Klappe hatten wir an dem Tag nicht im Gepäck. Die beiden Erfolge danach in der Liga sind folgerichtig Arbeitssiege. Der Wille, nicht unwesentlich in Gestalt von Maila, entscheidet letztendlich beide Partien. Ungeschlagen geht es zum letzten Spiel des Jahres nach Euskirchen. Die dortige HSG steht nur zwei Punkte hinter uns, wir sollten gewarnt sein. Aber wie schon öfter in der Saison, verschlafen wir die komplette erste Hälfte. Mit 5:6 geht es in die Kabine, wo es eine zünftige Ansprache durch das Trainerteam hagelt. Und die zeigt Wirkung: nach der besten Hälfte der Saison bis dahin, wird das Spiel gedreht und am Ende steht ein 16:8, dem man die schwierige Geburt nicht mehr ansieht.

Ein leichter Schatten fällt dennoch auf den Herbst: alle vier Mädels, die wir zum HNR Auswahltraining nach Köln schicken, fallen durch. Für die Mädels sehr schade, auf lange Sicht aber ein Umstand, der noch mehr zur Motivation beitragen sollte.

Sophia, Lotta, Frieda und Zoe auf dem Weg zum Auswahltraining

Kurz vor Weihnachten folgt ein weiteres absolutes Highlight: gesponsert von Alex Sälzer verbringen wir eine tolle Weihnachtsfeier im Moxy Hotel am Kölner Flughafen. Mit Musikquiz und leckerem Essen vergeht die Zeit wie im Flug. Das erste Saisonziel, die Qualifikation für die Kreisoberliga nach der Vorrunde, ist geschafft und zum ersten Mal wird ernsthaft über die Meisterschaft gesprochen…

Das Jahr endet wie immer mit einem Besuch beim Werkselfen Spiel in Leverkusen. Mit über 100 Teilnehmern, stellt der PHV einen nicht unerheblichen Teil der Zuschauer in der Ostermann Arena und wird dafür mit einem Trainingsbesuch der Elfen belohnt. Aber dazu später mehr.

Die wD gut vertreten als Einlaufkids bei den Werkselfen

Das neue Jahr startet mit einem weiteren Testturnier. Etwas dezimiert, aber toll unterstützt durch unsere E-Mädels sind die Ergebnisse in Solingen zwar durchwachsen, aber immerhin geht es mit einem Erfolg im letzten Spiel nach Hause, wo Mitte Januar eine vorentscheidende Partie ansteht: das Lokalderby mit den ebenfalls noch ungeschlagenen Mädels aus Beuel. Im Tor steht in ihrem allerersten Spiel unser Neuzugang Fine. Der erst Beueler Wurf endet direkt mit einem Kopftreffer. Aber nach kurzem Schütteln geht es weiter und Fine gelingt ein starker Einstand. Das Spiel geht hin und her, kein Team schafft es, sich mit mehr als zwei Toren abzusetzen. Kurz vor Schluss gelingt es Sophia einen Pass der Rechtsrheinischen abzufangen und nach schönem Doppelpass mit Maila sorgt sie für die Entscheidung. 22:20 heisst es am Ende für den PHV. Es folgt noch ein ungefährdeter Sieg gegen Tabellenschlusslicht Erftstadt. Mit 18:0 Punkten und 184:72 Toren und begünstigt durch die überraschende zweite Saisonniederlage der TSV gegen GTV 1 gehen wir mit vier Punkten Vorsprung in die Kreisoberliga. Noch vier Endspiele, in denen alles möglich ist, aber auch viel passieren kann!

Der Spielplan der Kreisoberliga beschert uns als erstes das Rückspiel gegen Euskirchen. Da gibt es noch etwas gut zu machen aus dem Hinspiel! Der Wille ist allen anzumerken aber die erste Hälfte beginnt noch etwas zäh. Es steht lange unentschieden, erst kurz vor der Pause platzt der Knoten im Knopf. Die 2. Halbzeit wird dann zum ersten mal auch ein Offensiv Festival. Angetrieben von Ranja und Sophia laufen alle Mädels zu großer Form auf. Am Ende steht ein 23:8 und eine komplette Leistung. Die Erwartungen steigen…

Die Mädels beim Poppelsdorfer Karnevalszug

Der Karneval sorgt für kurze Ablenkung. Sicherheitshalber wird das Spiel gegen TSV auf ein Wochenende nach der Session verlegt. Dadurch ist der nächste Gegner die HSG Siebengebirge. Am Vorabend noch die ultimative Motivation: die Werkselfen Lieke van der Linden und Christin Kaufmann kommen zu uns ins Training! Die alte und die neue D erleben einen Abend, der in Erinnerung bleiben wird!

Geduldig geben die beiden Profis Tipps, beantworten alle Fragen der Mädels und unterschreiben auf allen Bällen, Kleidungs- und Körperteilen, die ihnen angereicht werden. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle für dieses tolle Event!

Die Ausgangslage am Samstag ist dann klar: Gewinnt TSV nicht gegen GTV, können wir mit einem eigenen Sieg bereits Meister werden. Doch schon beim Aufwärmen wird klar: die nervliche Anspannung im Team ist groß. Vielleicht hilft eine Entspannungsübung in der Kabine. Doch auch die Ansage, dass nur 7H gewinnen MUSS und wir ganz entspannt aufspielen können hilft nicht. Von Anfang an läuft nichts zusammen, wir spielen mutlos im Angriff und zögerlich in der Deckung. Beim Halbzeitpfiff fließen die ersten Tränen, wir liegen zurück, 12:16, der Vorsprung aus dem Hinspiel ist damit aufgebraucht. Der selbstgemachte Druck ist für manche einfach zu groß. Wir haben 10 Minuten Zeit, dass Team aus dem Loch zu ziehen. Das Ergebnis aus dem Parallelspiel behalten wir für uns: GTV vs. TSV 20:20. Die Meisterschaft ist zum Greifen nah. Und zunächst scheint die Halbzeit die Wende zu bringen. Wir holen auf, Tor um Tor. Besonders Jette und Frieda beweisen Nervenstärke von der 7m Linie. In Minute 29 steht es zum ersten mal Unentschieden, 18:18. Es folgen 5 Minuten zwischen Hoffen und Bangen 21:21 nach 33:46, das Tor zur Meisterschaft steht weit offen! Was dann passiert, kann sich später kaum jemand erklären… Ein Fehlwurf in Minute 35 führt zu einem kollektiven Zusammenbruch. Die Euphorie, der Zusammenhalt im Team, der an guten Tagen alle hochreißen kann, reißt in diesem Fall alle mit in den Abgrund. Noch bevor wir auf der Bank irgendwie eingreifen können, liegen wir zwei Minuten später wieder mit vier Toren im Rückstand. Ein misslungener Torwartwechsel sorgt mit dafür, dass am Ende ein 22:26 steht. Der direkte Vergleich ist dahin, die Gegnerinnen haben die deutlich bessere Tordifferenz. Aus Euphorie wird Verzweiflung… Alle Gewissheit um unsere Fähigkeiten, guten Handball zu spielen ist auf einmal in Frage gestellt. Sogar die Qualifikation für die Talentiade scheint plötzlich nicht mehr sicher. Dabei haben wir alles noch selber in der Hand! Aber jetzt müssen die beiden letzten Spiele gewonnen werden.

Es folgt eine Woche mit vielen Aufbaumaßnahmen. Einzelgesprächen, für einige ein Testspiel mit der “neuen” Mannschaft der nächsten Saison, Wohlfühltraining. Aber was wird die Reaktion sein? “Jetzt erst recht!” oder “ojeojeoje”?

Besinnung auf das worauf es ankommt! Die Antworten auf “was macht mir am meisten Spass an meinem Sport?”

Sonntag, 16.03., 12h, high noon in der BBG. Schon beim Aufwärmen haben wir einen ganz anderen Eindruck, als in Königswinter eine Woche zuvor. Die Stimmung ist gut und steht ganz klar auf “jetzt erst recht”! Die Aufstellung ist für die Mädels etwas überraschend, erweist sich aber, zusammen mit einigen taktischen Ideen, als perfekt. Als die Capt’innen Sophia und Maila zu den ersten Takten von AC/DCs “Hells Bells” das Team einschwören sind alle Zweifel verflogen. Jetzt oder nie ist das Motto! Nach 5 Minuten ist den Beueler Trainerinnen schon klar: gegen die PHV Deckung ist kein Durchkommen, es steht erst 3:1, trotzdem die Auszeit. Aber alles was möglicherweise besprochen wurde verpufft wirkungslos. Nach 14 Minuten führen wir mit 10:1 und das Spiel ist eigentlich schon entschieden. Wir wechseln durch, alle bekommen viel Spielzeit, alles gelingt. Das Team hat sich wieder aufgebaut und wir spielen unser absolut bestes Saisonspiel. Mit 23:12 werden sichtlich konsternierte Beueler zurück auf die andere Rheinseite geschickt. Ein Ergebnis und ein Spielverlauf, den so niemand vorhergesagt hätte. Das nächste Saisonziel ist erreicht: zum ersten Mal qualifiziert sich eine PHV wD für die Talentiade!

Cotton Eye Joe, jetzt schon etwas flüssiger

Der letzte Spieltag steht an. Auswärtsspiel in heimischer Halle gegen den Godesberger TV. Eltern, Geschwister, Großeltern, alle sind dabei. Support kommt aus anderen Teams und sogar alte Recken wie Marc und Präsident Bernd haben den Weg in die Halle gefunden. Die Stimmung, die von über 50 Fans verbreitet wird ist kaum zu beschreiben, Gänsehaut in der BBG! Alle Zurückhaltung ist dahin, “Wir holen die Meisterschaft” dröhnt es aus den Boxen. GTV geht mit 1:0 und 2:1 in Führung. Es dauert einige Minuten, bis der Rhythmus gefunden ist. Aber die Euphorie der Kulisse treibt die Mädels an und auch wenn wir nicht an die spielerische Klasse aus dem TSV Spiel anknüpfen können, ist bereits vor Ende der ersten Hälft allen klar, dass uns heute niemand mehr aufhalten wird. Mit 10:4 geht’s in die Kabine, wo wir versuchen noch ein letztes Mal die Konzentration hochzubringen. Das gelingt mehr schlecht als recht, aber dennoch wird der Vorsprung auf zwischenzeitlich 11 Treffer ausgebaut. Nach 30 Minuten wechseln wir komplett, alle bekommen genug Zeit auf der Platte, um dieses Spiel zu genießen. Die Fans zählen die letzten Sekunden herunter, 19:12, die Poppelsdorfer wD ist Kreismeister 2024/25!

Die letzten Sekunden einer denkwürdigen Saison!

Wir haben eine Saison mit vielen Höhen und einigen wenigen Tiefen hinter uns. Nicht nur die Spielerinnen, auch wir sind zu einem Trainerteam zusammengewachsen. Helen, Tine, ich freue mich auf die kommende Saison mit euch!

Sekunden nach dem Abpfiff, auch für das Trainerteam ein großer Moment

Und jetzt? Wie geht’s weiter? Anfang April spielen wir Talentiade. Da kommt es zu einem Wiedersehen mit alten Bekannten. Es wird spannend sein zu sehen, ob wir gegen Köln und Birkesdorf jetzt besser aussehen, als in den Testspielen. Das Turnier werden wir jedenfalls geniessen!

Auch nächste Saison werden wir wieder eine starke D haben. Sieben Mädels vom voraussichtlichen wE KOL Vizemeister kommen hoch in die D. Dafür werden die 2012er Mädels uns verlassen und zur neuen Saison in die JSG C-Jugend gehen. Der gemeinsame Abschlusskreis nach dem Spiel gegen GTV hat gezeigt, wir sind auf einem guten Weg! Der Bonner Handball wird zusammenwachsen und wir werden alles dafür tun, den “PHV Spirit” auf den Rest der Bundesstadt auszuweiten!

Tolle Geste zum Abschluss. Beide Bonner Teams im gemeinsamen Abschlusskreis